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08032026



Es ist Sonntagmorgen. Meine Gedanken sind wieder am rotieren deshalb 
sitze ich jetzt hier und schreibe etwas auf. Später geht es zum Training 
und nach einer Dusche und so weiter werden Ivie und ich noch unterwegs 
sein. Also schreibe ich jetzt und zwar ganz leise denn Ivie schläft noch, 
gestern wurde es spät also soll sie ruhig.


Ich habe heute ein Stichwort: Erinnerungen.

Leute sagen einem: Vergiss es und schaue nur nach vorne.
Wissen die eigentlich, was sie sagen? 
Es gibt Leute die so handeln, verdrängen/vergessen und immer schön 
fröhlich tun. Sie spielen, manchmal so gut, daß sie es selber glauben. 
Doch unterbewusst ist es alles noch da. Wenn sie abends im Bett liegen 
und die unschönen Gedanken kommen. Wenn sie Alpträume bekommen aber 
am Tag wieder die Rolle des Glücklichen einnehmen und verdrängen/vergessen.
Ist es das, was ihr meint?

Leute die ihr Gedächnis verlieren, die glücklichen. Ich glaube, sie sehen 
das anders. Sie verloren ihre Identität, alles was sie geformt hat, ihre 
Erfahrungen. Manchmal verändert sich auch ihr Verhalten, ihr Wesen. 
Jemand ohne Vergangenheit hat alles verloren und hofft durch das erleben 
der Zukunft eine Vergangenheit zu bekommen. 

Es gibt Leute, die haben Angst davor, sich mit ihrer Vergangenheit zu 
befassen. Man möchte sich nicht mit den unschönen Erinnerungen befassen.

Ying und Yang, Schwarz und Weiß, Licht und Schatten oder Gut und Böse. 
Wie soll sich das eine vom anderen abgrenzen, wenn es nur eines davon gibt?
Woher wollt ihr wissen ob es Weiß ist wenn ihr kein Schwarz habt um es 
als Vergleich daneben halten zu können? Woher wollt ihr wissen, ob es 
Licht ist, wenn es keinen Schatten wirft? Woher wisst ihr ob es Gut ist 
wenn ihr nichts Böses als Abgrenzung habt? 


Mal etwas aus meinem Leben, ist ja auch mein Blog, also. 
Sie sind entfernte Verwandte, ihre Tochter wird dieses Jahr sieben, wie 
die Zeit vergeht. Ich habe sie schon öfter getroffen aber vor ca drei 
Jahren war folgendes.
Wir sehen uns nicht oft, sie wohnen auch nicht um die Ecke. Aber wir 
wollten uns dann treffen. In einem Caffee in so einem Einkaufcenter. 
Ist ein bischen übertrieben, ein großer Parkplatz und ein paar Geschäfte 
nebeneinander. Und ein Caffee mit gutem Erdbeerkuchen. 
Sie waren schon da und saßen an einem Tisch von und vor dem Caffee. 
Eigentlich war ich nicht zu spät. Ihre Tochter war gerade vier Jahre 
alt. Als sie mich sah lief sie freudig zu mir und umarmte mich und so. 
Ihr kennt das vielleicht. Sie war so glücklich mich zu sehen. Man selbst 
fühlt sich dann gut, als ob man wichtig wäre, zumindest für das Kind.
Ja, sie begrüsste mich öfter so. Keine Ahnung warum, sie hatte einen 
Narren an mir gefressen. Sie saß dann auch auf meinem Schoß, bei ihren 
Eltern kann sie ja jederzeit. Ich habe ein bischen Spaß mit ihr gemacht, 
beim Kuchenessen usw. . Ja, war schön. Ihre Eltern fanden es auch, zumal 
ihre Tochter sonst nicht so offen ist und eher zurückhaltend. 
Irgendwann kam dann etwas was sicher nicht böse gemeint war und wohl 
auch nicht durchdacht, es war einfach aus der Situation und der Stimmung 
heraus: Wie alt wäre deine Tochter jetzt? Und sofort ein: Entschuldige, 
ich wollte nicht ... .
Meine Antwort und Reaktion? 
Sie muß sich nicht entschuldigen, im Gegenteil. An meine Tochter denken 
und über sie reden, damit sie nicht vergessen wird. Sie haben es beide 
nicht verdient, daß man sie vergisst. 

Die Erinnerung an den "Empfang" von dem kleinen Kind ist schön. Die 
Trauer um die geliebte Familie ist nicht schön. Zu sehen und fühlen, 
daß sie nicht vergessen werden, daß nach ihr gefragt wird, ohne die 
Trauer hätte es keine Bedeutung. 
Ohne die schlechten Zeiten würden wir die guten Zeiten nicht zu 
schätzen wissen. Ich kenne Menschen, welche sich ihrer Vergangenheit 
verweigern, eine davon ist eng mit mir verwandt. Um sich selbst zu 
schützen, würden sie sagen. Doch sie sind nicht glücklich, sie sind 
verbittert und damit beschäftigt vor den Erinnerug davon zu laufen. 
Sie fliehen und flüchten und sind immer im Fluchtmodus. Wenn ich sie 
sehe und sehe wie sie sind, glücklich sind sie dadurch nicht geworden. 
Sie sind so verbittert, so abweisend, voller Angst vor der Vergangenheit. 
Die Vergangenheit bildete die Gegenwart und die Gegenwart bildet die 
Zukunft. Zu glauben man könne vor der Vergangenheit flüchten in dem 
man in die Zukunft rennt, ist ein Irrglaube. Ihr rennt und flüchtet, 
weil euch eure Vergangenheit fest im Griff hat. Ihr habt Angst ihr 
ins Gesicht zu sehen, deshalb wollt ihr nicht zurück blicken. 
Haltet ein, blickt zurück, eurer Angst direkt in die Augen. Stellt 
euch eurer Vergangenheit und ihr habt keine Angst mehr davor und 
müsst nicht mehr flüchten. Dann könnt ihr ganz ruhig in die Zukunft 
gehen, mit eurer Vergangenheit, den eure Vergangenheit das seid ihr.

Ich liebe Sprüche, leider denken die meisten nicht über sie nach. 
"Lasse zurück was dich unglücklich macht.", manche lassen sogar 
ihre nervenden Kinder zurück. Andere werfen sie aus dem Fenster. 
Jeder entscheidet selbst, was ihn unglücklich macht. Wie es ihm 
gerade gefällt oder was ihm oder ihr gerade Spaß macht. 
Die meisten verstehen den Spruch nicht, nehmen ihn aber als 
Alibi für ihre Handlungen.
Viele merken erst später, was sie zurück gelassen haben und dadurch 
verloren haben. Für manche ist es dann zu spät. 

Habt ihr Angst vor dem, was ihr getan habt? Was macht euch denn 
unglücklich? 
Es ist Winter, ein feucht kalter Tag, ihr seid durchnässt und friert. 
Der Schneematsch klebt an euren Schuhen. Ihr kommt nach Hause, zieht 
die dreckigen Schuhe aus, nehmt eine Warme Dusche. Etwas schönes 
zu essen. Dann mit jemanden der euch liebt auf der Couch unter die 
Decke lümmeln. Evtl. noch ein flackernder Kamin. Ihr schaut nach 
draußen, wo es feucht und kalt und ungemütlich ist und ihr fühlt 
euch unter der warmen Decke wohl und glücklich.
Klingt gut? Klingt romantisch? 
Wie wäre es ohne die Nässe und die Kälte? Ohne den Matsch an den 
Schuhen? Ohne den Blick auf die ungemütlichen Zustände? 
Wäre es dann nur ein Abend wie jeder andere unter der Decke?
Nichts besonderes?

Lasst alles zurück, ignoriert es, doch euch entgeht etwas, in der 
Gegenwart, in der Zukunft. Ihr werdet es irgendwann bedauern, es 
nicht gespührt zu haben. Einen schönen Abend, der nur wegen dem 
ungemühtlichen und unschönen so besonders ist. Das ist jetzt nicht 
wörtlich zu nehmen. Mit dem Abend ist viel mehr gemeint als eine 
Decke auf der Couch.

"Wer nicht zurückschaut hat keine Orientierung für den Weg vor ihm."