Es ist Sonntagmorgen. Meine Gedanken sind wieder am rotieren deshalb sitze ich jetzt hier und schreibe etwas auf. Später geht es zum Training und nach einer Dusche und so weiter werden Ivie und ich noch unterwegs sein. Also schreibe ich jetzt und zwar ganz leise denn Ivie schläft noch, gestern wurde es spät also soll sie ruhig. Ich habe heute ein Stichwort: Erinnerungen. Leute sagen einem: Vergiss es und schaue nur nach vorne. Wissen die eigentlich, was sie sagen? Es gibt Leute die so handeln, verdrängen/vergessen und immer schön fröhlich tun. Sie spielen, manchmal so gut, daß sie es selber glauben. Doch unterbewusst ist es alles noch da. Wenn sie abends im Bett liegen und die unschönen Gedanken kommen. Wenn sie Alpträume bekommen aber am Tag wieder die Rolle des Glücklichen einnehmen und verdrängen/vergessen. Ist es das, was ihr meint? Leute die ihr Gedächnis verlieren, die glücklichen. Ich glaube, sie sehen das anders. Sie verloren ihre Identität, alles was sie geformt hat, ihre Erfahrungen. Manchmal verändert sich auch ihr Verhalten, ihr Wesen. Jemand ohne Vergangenheit hat alles verloren und hofft durch das erleben der Zukunft eine Vergangenheit zu bekommen. Es gibt Leute, die haben Angst davor, sich mit ihrer Vergangenheit zu befassen. Man möchte sich nicht mit den unschönen Erinnerungen befassen. Ying und Yang, Schwarz und Weiß, Licht und Schatten oder Gut und Böse. Wie soll sich das eine vom anderen abgrenzen, wenn es nur eines davon gibt? Woher wollt ihr wissen ob es Weiß ist wenn ihr kein Schwarz habt um es als Vergleich daneben halten zu können? Woher wollt ihr wissen, ob es Licht ist, wenn es keinen Schatten wirft? Woher wisst ihr ob es Gut ist wenn ihr nichts Böses als Abgrenzung habt? Mal etwas aus meinem Leben, ist ja auch mein Blog, also. Sie sind entfernte Verwandte, ihre Tochter wird dieses Jahr sieben, wie die Zeit vergeht. Ich habe sie schon öfter getroffen aber vor ca drei Jahren war folgendes. Wir sehen uns nicht oft, sie wohnen auch nicht um die Ecke. Aber wir wollten uns dann treffen. In einem Caffee in so einem Einkaufcenter. Ist ein bischen übertrieben, ein großer Parkplatz und ein paar Geschäfte nebeneinander. Und ein Caffee mit gutem Erdbeerkuchen. Sie waren schon da und saßen an einem Tisch von und vor dem Caffee. Eigentlich war ich nicht zu spät. Ihre Tochter war gerade vier Jahre alt. Als sie mich sah lief sie freudig zu mir und umarmte mich und so. Ihr kennt das vielleicht. Sie war so glücklich mich zu sehen. Man selbst fühlt sich dann gut, als ob man wichtig wäre, zumindest für das Kind. Ja, sie begrüsste mich öfter so. Keine Ahnung warum, sie hatte einen Narren an mir gefressen. Sie saß dann auch auf meinem Schoß, bei ihren Eltern kann sie ja jederzeit. Ich habe ein bischen Spaß mit ihr gemacht, beim Kuchenessen usw. . Ja, war schön. Ihre Eltern fanden es auch, zumal ihre Tochter sonst nicht so offen ist und eher zurückhaltend. Irgendwann kam dann etwas was sicher nicht böse gemeint war und wohl auch nicht durchdacht, es war einfach aus der Situation und der Stimmung heraus: Wie alt wäre deine Tochter jetzt? Und sofort ein: Entschuldige, ich wollte nicht ... . Meine Antwort und Reaktion? Sie muß sich nicht entschuldigen, im Gegenteil. An meine Tochter denken und über sie reden, damit sie nicht vergessen wird. Sie haben es beide nicht verdient, daß man sie vergisst. Die Erinnerung an den "Empfang" von dem kleinen Kind ist schön. Die Trauer um die geliebte Familie ist nicht schön. Zu sehen und fühlen, daß sie nicht vergessen werden, daß nach ihr gefragt wird, ohne die Trauer hätte es keine Bedeutung. Ohne die schlechten Zeiten würden wir die guten Zeiten nicht zu schätzen wissen. Ich kenne Menschen, welche sich ihrer Vergangenheit verweigern, eine davon ist eng mit mir verwandt. Um sich selbst zu schützen, würden sie sagen. Doch sie sind nicht glücklich, sie sind verbittert und damit beschäftigt vor den Erinnerug davon zu laufen. Sie fliehen und flüchten und sind immer im Fluchtmodus. Wenn ich sie sehe und sehe wie sie sind, glücklich sind sie dadurch nicht geworden. Sie sind so verbittert, so abweisend, voller Angst vor der Vergangenheit. Die Vergangenheit bildete die Gegenwart und die Gegenwart bildet die Zukunft. Zu glauben man könne vor der Vergangenheit flüchten in dem man in die Zukunft rennt, ist ein Irrglaube. Ihr rennt und flüchtet, weil euch eure Vergangenheit fest im Griff hat. Ihr habt Angst ihr ins Gesicht zu sehen, deshalb wollt ihr nicht zurück blicken. Haltet ein, blickt zurück, eurer Angst direkt in die Augen. Stellt euch eurer Vergangenheit und ihr habt keine Angst mehr davor und müsst nicht mehr flüchten. Dann könnt ihr ganz ruhig in die Zukunft gehen, mit eurer Vergangenheit, den eure Vergangenheit das seid ihr. Ich liebe Sprüche, leider denken die meisten nicht über sie nach. "Lasse zurück was dich unglücklich macht.", manche lassen sogar ihre nervenden Kinder zurück. Andere werfen sie aus dem Fenster. Jeder entscheidet selbst, was ihn unglücklich macht. Wie es ihm gerade gefällt oder was ihm oder ihr gerade Spaß macht. Die meisten verstehen den Spruch nicht, nehmen ihn aber als Alibi für ihre Handlungen. Viele merken erst später, was sie zurück gelassen haben und dadurch verloren haben. Für manche ist es dann zu spät. Habt ihr Angst vor dem, was ihr getan habt? Was macht euch denn unglücklich? Es ist Winter, ein feucht kalter Tag, ihr seid durchnässt und friert. Der Schneematsch klebt an euren Schuhen. Ihr kommt nach Hause, zieht die dreckigen Schuhe aus, nehmt eine Warme Dusche. Etwas schönes zu essen. Dann mit jemanden der euch liebt auf der Couch unter die Decke lümmeln. Evtl. noch ein flackernder Kamin. Ihr schaut nach draußen, wo es feucht und kalt und ungemütlich ist und ihr fühlt euch unter der warmen Decke wohl und glücklich. Klingt gut? Klingt romantisch? Wie wäre es ohne die Nässe und die Kälte? Ohne den Matsch an den Schuhen? Ohne den Blick auf die ungemütlichen Zustände? Wäre es dann nur ein Abend wie jeder andere unter der Decke? Nichts besonderes? Lasst alles zurück, ignoriert es, doch euch entgeht etwas, in der Gegenwart, in der Zukunft. Ihr werdet es irgendwann bedauern, es nicht gespührt zu haben. Einen schönen Abend, der nur wegen dem ungemühtlichen und unschönen so besonders ist. Das ist jetzt nicht wörtlich zu nehmen. Mit dem Abend ist viel mehr gemeint als eine Decke auf der Couch. "Wer nicht zurückschaut hat keine Orientierung für den Weg vor ihm."